Leitfaden für Schlaganfälle im Kindesalter
Am Universitätsklinikum Leipzig (UKL) wurden im letzten Jahr zwei Kleinkinder erfolgreich mittels Thrombektomie behandelt. Um für solche seltenen Fälle optimal gerüstet zu sein, haben die beteiligten Ärzt:innen ihre Erfahrungen in einem Leitfaden zusammengefasst.
Ein Schlaganfall gilt meist als Erkrankung der zweiten Lebenshälfte, kann aber auch Kinder betreffen – wenn auch selten. Jährlich werden in Deutschland 300 bis 500 Schlaganfälle bei Kindern diagnostiziert, oft spät, da Symptome unspezifisch sind. Bei Kleinkindern erschwert dies die Diagnose zusätzlich.
„Kaum jemand denkt bei einem Kind an einen Schlaganfall“, sagt Dr. Manuela Siekmeyer von der UKL-Kinderklinik.
Die Behandlung erfordert höchste Präzision: Neuroradiologin Jun.-Prof. Cindy Richter entfernte Blutgerinnsel bei zwei Kleinkindern erfolgreich. Möglich wurde dies durch ein enges Zusammenspiel von sieben Fachdisziplinen. Standardisierte Abläufe sind nun in einem Leitfaden (SOP) festgehalten, um im Notfall schnell handeln zu können. Besonders gefährdet sind Kinder mit Herzfehlern, Gerinnungsstörungen, Gefäß- oder Stoffwechselerkrankungen oder nach Infektionen des zentralen Nervensystems. „Eltern und Kolleg:innen sollten auch bei Kindern Symptome ernst nehmen und spezialisierte Zentren aufsuchen“, betont Siekmeyer.