Neue Perspektiven nach der Intensivstation
Auf der Intensivstation kämpfen Teams aus verschiedenen Fachrichtungen in einem hochtechnisierten Umfeld um das Leben schwerstkranker Patient:innen. Künstliche Beatmung oder Organunterstützung retten oft Leben, hinterlassen aber nicht selten Folgen: Bis zu zwei Drittel der Überlebenden leiden drei Monate nach Entlassung am Post-Intensive-Care-Syndrom (PICS) – körperliche, kognitive und psychische Einschränkungen, die die Lebensqualität erheblich mindern. Nach einem Jahr sind mehr als die Hälfte noch nicht beschwerdefrei.
Die Interdisziplinäre Internistische Intensivmedizin am Universitätsklinikum Leipzig (UKL) bietet deshalb als eine von wenigen Kliniken in Deutschland eine spezialisierte Nachsorgeambulanz an. PICS umfasst Muskelschwäche, Schluck- und Lungenprobleme, Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen sowie Angst, Depression und posttraumatische Belastungen. Ursache sind neben der Grunderkrankung auch Nebeneffekte intensivmedizinischer Maßnahmen und der belastenden Umgebung.
Die Ambulanz „LIVe! – Leben nach intensivmedizinischer Versorgung“ begleitet Patient:innen über sechs bis zwölf Monate, erfasst bestehende Beschwerden und entwickelt gezielte Unterstützungsangebote. Langfristig sollen Physiotherapie, Logopädie, Psychologie und familienzentrierte Betreuung einbezogen werden. Ziel ist, Folgeschäden besser zu verstehen, zu reduzieren und die Intensivmedizin weiter zu verbessern.